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Wir alle haben es schon mehrfach gehört. Es wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der mobilen Geräte im Zeitalter von 5G enorm ansteigen wird. Außerdem soll die Technologie im Vergleich zur heutigen 4G-LTE-Technik eine um den Faktor 100 höhere Datenrate und eine um den Faktor 10 niedrigere Latenzzeit ermöglichen. Die Kombination aus höherer Kapazität und niedrigerer Latenzzeit wird eine ganze Reihe neuer, lukrativer Anwendungen aus den Bereichen Augmented/Virtual Reality, IoT, Gaming, Trading sowie verschiedene industrielle Applikationen (wie Anwendungen für die verarbeitende Industrie oder Steuerungs- und Überwachungsanwendungen für Energieversorger) ermöglichen.

Der Wettlauf bei der Migration bestehender 4G-Netze in 5G-fähige Netze hat bereits begonnen. Ursprünglich basierten diese 5G-fähigen Netze auf einer 5G Non-Standalone (NSA)-Infrastruktur, bei der 5G New Radio (NR)-Schnittstellen eine bereits bestehende 4G Evolved Packet Core (EPC)-Infrastruktur nutzen, bis das 5G-Core-Netz vollständig standardisiert und implementiert ist.

Damit Sie mit Ihren Wettbewerbern Schritt halten und neu aufkommende 5G-Services nutzen können, müssen Sie die geplante Weiterentwicklung Ihrer Netze beschleunigen und dabei gleichzeitig die damit zusammenhängenden Risiken minimieren, um so schnell wie möglich ertragreiche neue Services auf den Markt zu bringen. Die Frage ist nur, wie Sie das realisieren können.

Es gibt mehrere unterschiedliche Strategien, die Sie für den erfolgreichen Umstieg von 4G auf 5G nutzen können. In dieser Reihe werden wir die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten genau analysieren.

  1. Setzen Sie Bandbreite bedarfsgesteuert mithilfe einer skalierbaren Infrastruktur am Funkzellenstandort frei: Netze, über die der Backhaul des 5G-Traffics läuft, müssen um den Faktor 10 – in der Regel von 1G auf 10G – und in einigen Fällen sogar noch stärker skaliert werden. Backhaul-Netze müssen für eine Verbesserung der Größenkostenersparnisse außerdem auch den bestehenden 4G-Traffic übertragen. Dies erfolgt über ein einfacher strukturiertes, konvergiertes Transportnetz, bei dem Backhaul-Links mit hoher Kapazität vom Einsatz moderner kohärenter Optik-Steckelemente profitieren können.

  2. Beschleunigen Sie den Rollout Ihrer 5G-Infrastruktur mithilfe von Zero-Touch Provisioning (ZTP): Eine langsame, manuelle und somit fehleranfällige Installation und Konfiguration der Netzwerkinfrastruktur kann den Umstieg von 4G auf 5G deutlich verzögern und Kostensteigerungen nach sich ziehen. Lösungen mit ZTP überwinden diese Schwierigkeiten durch die schnelle, zuverlässige und fehlerfreie Automatisierung der Geräteimplementierung, um so den Rollout der 5G-Services zu beschleunigen. Dies führt insbesondere in der kritischen Phase des Wettlaufs hin zu 5G zu enormen Wettbewerbsvorteilen.

  3. Optimieren Sie Ihre Netzwerkkapazität und Serviceleistung mittels 5G-Phasensynchronisation: Um die effektive Umsetzung des Datenverkehrs von 5G-Anwendungen mit hoher Bandbreite und niedrigen Latenzzeiten im Einklang mit leistungsbezogenen SLAs zu gewährleisten, benötigen Sie Netzwerkkomponenten, die eine präzise 5G-Phasensynchronisation ermöglichen. Durch die Ausweitung der Phasensynchronisation auf Ihre gesamte Netzwerkinfrastruktur können Sie für Anwendungen mit hoher Bandbreite und niedriger Latenzzeit über das gesamte Mobilfunknetz hinweg optimale Performance garantieren. Dies gilt auch dann, wenn sich die Benutzer zwischen den Funkzellen bewegen.

  4. Straffen Sie Ihre Abläufe, um die Serviceaktivierung mittels intelligenter Automatisierung zu beschleunigen: Network-Slicing ist ein wesentliches Merkmal von 5G Standalone (SA)-Netzen und ermöglicht den Betreibern die Unterstützung differenzierter Servicelevels, beispielsweise in Bezug auf extrem niedrige Latenzzeiten, zu unterschiedlichen Preisen. Um dies zu ermöglichen, müssen die Netze offener und intelligenter strukturiert werden und Software-Defined Networking (SDN) nutzen, um basierend auf den Anforderungen spezifischer Benutzer und Anwendungen virtuelle Netzwerk-Slices mit differenzierten Performance-Profilen zu erstellen. Dies wiederum ermöglicht eine Orchestrierung der Ressourcen sowie die Automatisierung der Serviceaktivierungsprozesse, um eine schnelle und zuverlässige Provisionierung und Bereitstellung neuer 5G-Services bei minimalem manuellem Aufwand in möglichst kurzer Zeit zu gewährleisten. Die intelligente Automatisierung kann auch bei der Straffung von Routing-Management-Aufgaben in komplexen 5G-Netzen helfen, was zu einer weiteren Senkung der Betriebskosten führt.

  5. Offene xHaul-Transportnetze (für Fronthaul, Midhaul, Backhaul) für erstklassige 5G-Netze – die Branche lernt aus ihren Erfahrungen. Für 4G wurde über CPRI versucht, die Fronthaul-Konnektivität zwischen den Remote Radio Heads (RRHs) und den Baseband Units (BBUs) in einer Centralized/Cloud Radio Access Network (C-RAN)-Architektur zu standardisieren. Da die CPRI-Implementierung im Laufe der Zeit jedoch von den offenen CPRI-Spezifikationen abwich, kam es im Bereich RAN zu einer Herstellerabhängigkeit. Um sicherzustellen, dass Sie im Bereich Ihres Fronthaul-Netzes nicht von einer bestimmten proprietären Lösung abhängig werden, sollten Sie sich für eine Lösung entscheiden, die auf offenen Branchenstandards (eCPRI, RoE, O-RAN) basiert, die eine Multi-Vendor-Umgebung unterstützen können. Sie können sich so in Bezug auf die RRHs, BBUs und das Transportnetz, das sie miteinander verbindet, ohne herstellerbedingte Einschränkungen für wirklich erstklassige Lösungen entscheiden. So wie viele Betreiber heute Backhaul-Services leasen, werden offene, standardbasierte xHaul-Netze zu einer Belebung des Marktes für Fronthaul- und Midhaul-Wholesale-Konnektivitätsservices führen.

Beim Umstieg auf 5G geht es um mehr als nur ein einfaches Upgrade des Netzes. Letztendlich werden Faktoren wie Skalierbarkeit, Automatisierung und Offenheit den Übergang erleichtern. In meinem zweiten Beitrag der Reihe befasse ich mich mit fünf Schlüsselstrategien für die Optimierung Ihres Umstiegs von 4G auf 5G, während es in meinem letzten Beitrag um die Frage geht, warum Zero-Touch Provisioning (ZTP) für den 5G-Erfolg eine entscheidende Rolle spielt.