1. Wenn 5G kommt, ist 4G tot.
Dass 4G stirbt, wird oft behauptet, ist aber keine Realität. In der Tat werden wir bei 4G noch mehrere Jahre ein weiteres Wachstum sehen — mit vielen Millionen neuer Verbindungen, die dem Netzwerk noch hinzugefügt werden.

Wenn die Implementierung von 5G beginnt, wird dies wahrscheinlich in einer ausgewählten Gruppe von Ländern wie den Vereinigten Staaten, Südkorea, China, Japan und Indien geschehen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in naher Zukunft von 4G verabschieden werden. Tatsächlich war nie geplant, dass 5G ein Ersatz für 4G sein soll; anders als bei 4G, das entwickelt wurde, um 3G zu ersetzen (was aber nie wirklich geschah). Wenn 5G eingeführt wird, werden 4G und seine vielen Varianten nach wie vor eine Schlüsselrolle spielen — insbesondere bei Applikationen und Anwendungsfällen, die weniger Bandbreite benötigen. Dies bedeutet, dass Betreiber heute für 4G und morgen für 5G planen müssen, da beide in der absehbaren Zukunft gemeinsam existieren und sich die gleichen Netzwerkressourcen teilen werden.

 

Vorhersage für die 5G-Einführung von 2020 - 2025

Vorhersage für die 5G-Einführung von 2020 - 2025 (Quelle: GSMA)

2. Bei 5G geht es alleine um schnellere Downloads
Kein Zweifel: höhere Download-Geschwindigkeiten machen einen großen Teil von 5G aus, und darüber herrscht die größte Begeisterung; aber ebenso wichtig ist, dass 5G eine bis zu 10-mal niedrigere Latenzzeit als 4G bietet. Es ist diese Kombination aus schnelleren Download-Geschwindigkeiten und reduzierter Latenzzeit, die neue Anwendungsfälle wie Augmented Reality und Virtual Reality möglich macht.

Denken Sie daran, wie es war, als Sie Ferngespräche über das Satellitennetz geführt haben - alle haben wegen der lästigen Verzögerungen gleichzeitig geredet. Bald wird die Verringerung der Latenzzeit aufgrund von 5G es möglich machen, nahezu in Echtzeit zu kommunizieren, wodurch viele neue Applikationen und Anwendungsfälle zur Realität werden. Ein paar Beispiele sind autonome selbstfahrende Autos, extreme Echtzeitkommunikation sowie hochzuverlässige Kommunikationsanwendungen, wie beispielsweise die eHealth-Fernüberwachung.

Neben der reduzierten Latenzzeit ist ein weiterer Vorteil die höhere Netzwerkverfügbarkeit sowie die  garantierte End-to-End-Netzwerkleistung. Dies wird durch ein Konzept namens Network Slicing möglich, bei dem ein einzelnes physisches Netzwerk so aufgeteilt werden kann, dass unterschiedliche Gruppen von Kunden unterschiedliche garantierte Leistungen erhalten. Polizei, Feuerwehr und andere Notfallhelfer sind gute Beispiele dafür, welche Vorteile Network Slicing bietet. Heute haben Notfallhelfer spezielle eigene, geschlossene Sprachkommunikationsnetze. Sie verwenden das normale Funknetz nicht, da nach einem Katastrophenfall jeder beginnt, Videos und Tweets zu senden oder Sprachanrufe zu tätigen, was das Netzwerk erheblich verlangsamt oder sogar dazu führt, dass das gesamte Netzwerk zusammenbricht, so dass keine Anrufe durchkommen — nicht das, was Notfallhelfer brauchen! Mit Network Slicing erhalten Notfallhelfer die höchste Priorität in einem hochverfügbaren Netzwerk; unabhängig davon, wie viele Personen gleichzeitig in diesem Netzwerk sind, werden Anrufe von Notfallhelfern immer durchkommen.

3. Die 5G-Normen sind bereits festgelegt
Es wird viel über 5G-Normen, Versuche und Implementierungen gesprochen, aber in Wirklichkeit sind die Normen noch nicht endgültig definiert. Bei den ersten Normen geht es um 5G New Radios (NR) – den Teil des Netzes, mit dem Mobilgeräte kommunizieren. Da die ersten 5G NR-Spezifikationen kürzlich vom 3GPP verabschiedet wurden, wird erwartet, dass kommerzielle Angebote bald folgen werden. Das gesamte Backend, das die End-to-End-Netzwerkleistung garantieren soll, wird noch einige Zeit nicht verfügbar sein.

Selbst wenn alle Normen fertiggestellt sind, werden sich Mobilfunknetzbetreiber wahrscheinlich viel Zeit für die kommerzielle Umsetzung der Technologie nehmen, da viele Tests und Versuche durchgeführt werden müssen, um das Risiko zu minimieren, bevor es zu umfangreichen Implementierungen kommt; und das ist durchaus sinnvoll. Dies bedeutet, dass breit verfügbare, standardbasierte End-to-End-5G-Netzwerkdienste noch ein Jahr oder mehr in der Zukunft liegen.

4. 5G-Produkte (oder Geräte) sind bereits heute verfügbar
Da die 5G-Normen noch nicht endgültig definiert sind, gibt es heute noch keine 5G-Produkte. Daher sprechen manche Hersteller davon, dass sie Produkte für 4.5G anbieten können (besser als 4G, aber noch nicht ganz 5G), die den aktuellen Normenentwürfen entsprechen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dieser Anspruch nicht glaubwürdig geltend gemacht werden kann, denn Definitionen, die auf den heutigen Normenentwürfen beruhen, können möglicherweise nicht (z. B. über Software-Upgrades) angepasst werden, wenn die Normen später genehmigt werden. Man kann jedoch sagen, dass die Fertigstellung der 5G-Normen näher rückt und damit das Risiko sinkt, dass kein Upgrade möglich sein wird.

5. Drahtgebundene Festnetze haben mit 5G nichts zu tun
Bei drahtlosen Netzen denken die meisten Menschen automatisch an ihr Smartphone. Wo liegt das Problem? Dies ist nur ein Teil des Ganzen. Smartphones kommunizieren über Luftwellen, aber sobald sie den Funkmast erreichen, erfolgt der Rest der Übertragung über Glasfaserstrecken. Wenn Sie beispielsweise ein Netflix-Video über ein Smartphone streamen, erfolgt der einzige drahtlose Teil der Übertragung zwischen Ihnen und dem Funkmast. Die weitere Übertragung bis zum Rechenzentrum erfolgt in erster Linie über paketoptische Festverbindungen. Dies bedeutet, dass Sie die beste Funknetzleistung der Welt haben können; aber wenn Ihr Festnetz, das Sie mit dem Rechenzentrum verbindet, nicht leistungsstark genug ist, leidet die End-to-End-Leistung. Das bedeutet, dass drahtgebundene Netze genausoviel mit 5G zu tun haben wie Funknetze und letztendlich über die End-to-End-Netzwerkleistung bestimmen werden, welche die Endbenutzer sehen.

Wie geht es weiter?
Der Aufbau einer Infrastruktur zur Unterstützung von 5G ist eine gewaltige Aufgabe. Es wird erwartet, dass es viele Jahre dauern wird, bevor Betreiber den Großteil ihres Netzwerks auf 5G umstellen werden.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Betreiber mit der Planung für 5G noch nicht beginnen sollten. Während Mobilnetzbetreiber weiterhin ihre Netze für die fortlaufende 4G-Einführung skalieren, um die Finanzierung der zukünftigen 5G-Implementierungen sicherzustellen, ist es wichtig, die erwarteten Leistungsanforderungen für 5G heute schon zu berücksichtigen, um den teuren, riskanten und zeitraubenden Austausch von Geräten zu vermeiden. In der absehbaren Zukunft werden 4G und 5G nebeneinander bestehen und sich einen Großteil des drahtgebundenen Netzwerks zwischen den Zellenstandorten und den Rechenzentren teilen, in denen der Content gehostet wird. Dies bedeutet, dass Netzbetreiber heute zwischen Fakten und Fiktion unterscheiden müssen, wenn sie sich auf die zukünftigen 5G-Netze vorbereiten.